Kreislauf des bewussten Erlebens.
von Viktor W. Ziegler -
Nicht „Ich denke, also bin ich…“ sollte es heißen!
Sondern:“ Ich fühle, also denke ich!“
Soweit zu „Descartes Irrtum“(*) und der Widerlegung von „cogito ergo sum“!
Unser Verhalten wird ganz wesentlich geprägt von unserem bisherigen Leben. Von unserer Erziehung, aber natürlich zum Teil auch von unserer Vererbung. Und was wir auf unserem bisherigen Lebensweg damit gemacht – oder nicht gemacht haben. So wachsen wir zu einem ganz bestimmten Menschentypen heran. Als Mensch, der prinzipiell vor Gefahren davon läuft, Problemen aus dem Weg geht oder sich in der Rolle des armen Ichs aufgibt. Oder kampfbetont, aggressiv, vielleicht sogar gewaltbereit, sich in der Rolle des Kämpfers behaupten will.
Das „Lauf weg“ der Angst bestimmt die einen, das „Schlag zurück“ vielleicht die anderen. Für alle jedoch, ganz gleich um welchen Menschentyp es sich nun handeln mag, ist der Kreislauf des bewussten Erlebens einer Situation stets der gleiche. Es ist wie in einem Theaterstück, bei dem der Ausgangspunkt der Handlung vorgegeben ist, die Handlung selbst, deren Verlauf und Ende jedoch von den Akteuren bestimmt wird.
So, wie in den beiden nachstehenden Beispielen:
Der „Ausgangspunkt“ ist ein an und für sich unbedeutender kleiner Autounfall mit Blech-schaden.
Der Vorfall:
Ein Lenker fuhr aus einer Parklücke heraus, übersah ein gleichzeitig vorbeifahrendes Auto und touchierte dieses Auto seitlich, wobei beträchtlicher Blechschaden entstand und der Seitenspiegel weggerissen wurde.
(Beide Fahrer waren unaufmerksam).
Der Kreislauf:
1. Etwas geschieht – z.B. der geschilderte Autounfall mit Blechschaden.
2. Beim „verursachenden“ Autofahrer (aber auch bei dem Besitzer des beschädigten Fahrzeuges)
entsteht sofort ein ganz bestimmtes Gefühl ( das von Mensch zu Mensch und je nach den
gespeicherten Erfahrungen, Bildung, dem Charakter und Typ etc. verschieden ist) (**)
3. Basierend auf dieses Gefühl, (z.B. Angst) entstehen nun die entsprechenden Gedanken.
4. Diese Gedanken werden (da sie ja unausgesprochene Worte sind) nun in Worten ausgedrückt.
5. Und auf diese Worte folgen die analogen Taten …
6. Diese wiederum erzeugen erneut die dazugehörenden entsprechenden Gefühle und setzen so in
Folge den Kreislauf der Gedanken, Worte und Taten weiter in Gang.
Variante 1:
Variante 1 zeigt – leicht erkennbar – den aggressiven
Menschentyp.
Variante 2:
Variante 2 zeigt – ebenfalls leicht erkennbar – einen passiven, eher ausgeglichenen Menschentypen.
Bei beiden Varianten ist das Ereignis, das die Gefühle erzeugt hat, (EBR) (***) gleich. Auch das „Erstgefühl“ – Angst und Schrecken – war im ersten Augenblick bei beiden gleich.
Zwei verschiedene Menschentypen haben offensichtlich agiert, wie die unterschiedlichen Beispiele zeigen. Das muss nicht immer so sein. Nehmen Sie sich selbst, zum Beispiel. Sie haben ja auch manchmal „gute Tage“ und manchmal „schlechte Tage“. Zeiten, wo Sie ruhiger und ausgeglichener sind, und Zeiten, wo Sie sich leicht aufregen, eher aggressiv sind. Wäre es ausschließlich die Veranlagung, dann würden wir bei gleichen Situationen und Ereignissen, bei den gleichen Menschen, auch immer gleich reagieren.. und agieren!
Aber tun wir das?
Der „optische Kreislauf“ beider Beispiele zeigt aber auch Möglichkeiten, die wir für Korrekturen zum Vergessen und Verlernen alter Gewohnheiten und Muster zur Verfügung haben. Wir können uns unsere „automatischen“ Handlungen, Gedanken, Worte bewusst machen und so diese verändern. Denn bereits im bewussten Erkennen liegt schon der Schlüssel zur Veränderung. Wir haben uns eine unbewusste Handlung bewusst gemacht und diese nicht verdrängt!
Andere Gedanken und folglich eine geänderte Einstellung könnten die Folge sein; und eher positive und wohltuende Gedanken werden sofort auch die folgende Wortwahl und in Weiterem unsere Handlungen beeinflussen. Dies wird wiederum andere Gefühle in uns hervorrufen.
Oder die Erkenntnis, dass nichts so wichtig ist, wie es auf den ersten Blick scheinen mag.
Wenngleich eine Erkenntnis zuerst festzuhalten ist: Es sind unsere Gefühle, die den Kreislauf des Erlebens mit allen unseren Gedanken, Worten und Handlungen in Bewegung setzen. Und die daher auch der Ansatzpunkt für eine Gestaltung unseres Lebens nach unseren Wünschen – und nach unserem Willen – ermöglichen.
Wir können im Positiven wie im Negativen unsere Gedanken, unsere Sprache und unsere Handlungen ganz bewusst beeinflussen.
Denn vor allem auch hier wirkt das Gesetz von Ursache und Wirkung.
Herzlichst Viktor W. Ziegler
©Viktor W. Ziegler
Aus dem Buch „Frei-willig! Die Macht unseres freien Willens. Vom „Müssen“ zum „Wollen“. Wie wir bewusst unser Leben bestimmen können.
EditionVICART, 2012, 324 Seiten, div. Abbildungen
Grafiken: EditionVICART
(*) Antonio Rosa Damasio
(**) siehe Viktor W. Ziegler, „Mit Nichts zum Erfolg“, Verlag Carl Ueberreuter Seite 61, „Die 5
Menschentypen“
(***) EBR= Emotional besetzter Reiz, der in der Lage ist, Emotionen auszulösen