Räucherritual
Ein Ritual ist eine zielgerichtete Handlung, um einer bestimmten Absicht Nachdruck zu verleihen. Die Symbolik von Gegenständen, Worten, Bildern und Zeichen unterstützt die Handlung und erinnert an die Absicht.
So kann es zu einer tiefen Verbindung der Innen- und Außenwelt kommen. Im Zusammenhang mit aromatischem Rauch bekommt eine solche Handlung eine ganz besondere Kraft.
Fragen wir uns doch einmal, welchen Sinn ein solches Ritual erfüllen kann.
Diese Frage lässt sich nämlich ganz einfach beantworten:
Den Menschen in den inneren Kreis des Lebens zurückzuführen.
Außen zu sein bedeutet Entfremdung, Abspaltung, Isolation von der lebendigen Gemeinschaft. Einsamkeit, Misstrauen, Ablehnung und Angst sind die Konsequenzen. Das sind keine heilsamen Faktoren in der Auswirkung auf unser Lebensgefühl. In diesem Sinne ist alles, was in die innere Verbundenheit mit dem Leben führt, heilsam. Dies entspricht auch dem schamanischen Weltbild und findet in unseren Breiten unter dem Begriff der Ganzheitlichkeit immer mehr Beachtung.
Heilung im schamanischen Sinne bedeutet Integration, Wiedereingliederung in die Gemeinschaft des Lebens. Kein Aspekt kann außerhalb seines Zusammenspiels mit dem großen Ganzen wirklich erkannt und sinnvoll genutzt werden. Der Sinn eines solchen Rituals ist also immer daran zu messen, in wie weit es dem Lebensprozess dient und der Entwicklung des Lebens förderlich ist.
Anders gesagt sind Räucherrituale also ein Werkzeug, mit dem wir uns auf ganzheitliche Art und Weise einem Zustand nähern, den wir als wünschenswert betrachten.
Es ist wichtig, ein Ritual immer als eine Handlung zu sehen, die uns in den Moment bringt. Nicht was gestern oder was morgen geschieht ist wichtig sondern nur der Augenblick, das Hier und Jetzt.
Schutz und Hilfe
Umsorgt zu sein, sich behütet fühlen, einfach gesehen zu werden, ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis. Manchmal mag das Leben einem so erscheinen, als wäre man wehrlos in der Wildnis ausgesetzt und auf weiter Flur ganz allein. Fressen oder gefressen werden heißt die Spielregel, der wir uns unter dem Eindruck dieser Illusion ausgeliefert sehen. Da passt das Bild von Sündenfall und Vertreibung aus dem Paradies. Die Illusion muss ja auch so überzeugend wie möglich sein, gilt es doch, die eigene Verantwortung als schöpferisches Wesen unter diesen besonderen Umständen zu entwickeln.
Das Ritual unter der ägyptischen Symbolik „Utchat“(Auge des Horus) baut auf den allgegenwärtigen Schutz und die Präsenz der spirituellen Welt auf, aus der wir jederzeit Hilfe bekommen können, wenn wir den Kontakt herstellen.
Entscheidend ist unsere eigene Bereitschaft, diese Möglichkeit zu sehen. Das zeigt uns im Umkehrschluss, dass wir in dem Maße gesehen werden, wie wir uns selber erkennen. Eine spirituelle Weisheit sagt:
Gott erfährt die Welt durch des Menschen Auge.
Demnach finden wir den Kontakt zum Himmel in uns selbst. Ein Räucher-Ritual kann diese Kontaktaufnahme ganz entscheidend begünstigen.
Vorgeschlagene Stoffe
1. Alantwurzel (Inula helenium)
2. Fenchel (Foeniculum vulgare)
3. Fichtennadeln ((Picea abies)
4. Dammar (Canarium strictum)
5. Myrte (Myrtus communis)
6. Sandarak (Tetraclinis articulata)
7. Rosmarin (Rosmarinus officinalis)
8. Tolubalsam (Myroxylon balsamum)
9. Sternanis (Illicum verum)
Ritual
Die Frage des Vertrauens ist ganz wesentlich in dieser rituellen Handlung.
Es geht darum, den Moment zu nutzen, um den eigenen Mittelpunkt aufzusuchen, denn aus ihm fließt das Urvertrauen, das so wesentlich für unsere “Aufgehoben-Sein” ist.
Darf ich so sein, wie ich bin? Mit dieser Frage sollte das Ritual begonnen werden.
Ich spüre in meinem Inneren nach, an welcher Stelle der Engpass sich zeigt.
Welche Situationen sind mir unangenehm, weil ich meine, dem nicht zu genügen, was von mir verlangt wird. Was ist es, gegen das ich mich schützen muss?
Wovor habe ich Angst?
Ich suche die ersten drei Räucherstoffe aus, zu denen ich mich hingezogen fühle und lege sie auf die Glut oder das Stövchen indem ich mir vorstelle, wie das Feuer dieses Thema verwandelt und der duftende Rauch das Vertrauen zum Ausdruck bringt, das sich nun anstelle der Angst ausbreitet.
Damit bin ich meinem Mittelpunkt einen Schritt näher gekommen.
Mit den nächsten drei Stoffen verbinde ich die Dunkelheit der begrenzten Vorstellung, wie sie durch das Feuer zu Licht transformiert wird und spüre dem Lichthaften im Duft nach, wie es Ruhe und Gelassenheit auslöst und das Illusionäre der Bedrohung entlarvt. Diese Phase schenkt mir eine sichere Position in meiner Mitte.
Die letzten drei Stoffe stehen für meine Gebundenheit, die im aromatischen Rauch zu Unabhängigkeit und Freiheit verwandelt wird. Ich lasse mich in diese Wahrnehmung hineinfallen und spüre wie mich eine machtvolle Leichtigkeit erfüllt, aus der heraus natürliches und freudvolles Sein in mir aufsteigt. So bin ich mit der spirituellen Welt verbunden und daraus lässt sich neue Energie schöpfen.
Weitere Rituale finden Sie in „Räucherstoffe und Räucherrituale“
floraperpetua-shop.de/literatur.htm