Wie vermeide ich am besten meinen Schmerz?
von Oliver Unger -
Beobachtung im Hier und Jetzt ist die Königsdisziplin zur Leidbefreiung.
Wenn du auf dem Weg bist, dich von deinem Leid zu befreien, vollbringe bitte keine analytischen Höchstleistungen! Beobachte und nimm an. Jede Begegnung deines Lebens kann, auf diese Weise anerkannt, eine Bereicherung sein. Gruppen von Menschen, Freunde, Familie, Vereine und die Gesellschaft als Ganzes haben die Fähigkeit, sich selbst zu regulieren.
Man sagt, dass die „Geschichten“ sich treffen, sich gegenseitig neu erzählen, wie es gewesen ist und sich auf diese Art ins Bewusstsein zurückbringen. Dies tun sie, indem sich ihre Mitglieder untereinander verständigen, ausgleichen, beschwichtigen, provozieren und vieles mehr. Alles was dir in der Umgebung, in der du lebst, begegnet, bringt dich mit deinen ungelösten Themen in Kontakt. Denn du lebst dort nur, weil deine ungelösten Themen dich dort hingebracht haben.
Aus den Tiefen deines Unterbewussten an die Oberfläche gebracht, können deine Blockaden an dieser Stelle angesehen werden. Zunächst wirst du dies vielleicht sogar als Leid empfinden. Wenn du dann bereit bist, keine Ratio-Leid-weg-Tablette zu nehmen, sondern deinen Themen entsprechende Anerkennung lieferst, löst sich etwas. Du spürst die Erleichterung des entsprechenden Themas. Das wiederum setzt einen Kreislauf in Gang, der dich zunehmend in Kontakt mit deinem Körper bringt, was dein Herz öffnet und tiefer vorbereitet, dich von neuen, anderen Menschen spiegeln zu lassen.
Einmal in diesen Kreislauf eingetaucht, trägst du selbst etwas zur Regulation und Heilung der Gemeinschaft bei, in der du lebst. Und das ganz ohne dass du ein großer Heiler bist bzw. aktiv etwas tun musst. Du verständigst dich, gleichst aus, beschwichtigst, provozierst und vieles mehr. Dieser natürliche Vorgang ist wie „Öl“ im Motor der Selbsterkenntnis und der Erlösung aus dem Leid.
Wozu brauchen wir dann noch Ärzte, Heiler, Wissenschaftler? Manchmal stocken wir in unserem Prozess. Es ist einfach zu schmerzbesetzt, zu neblig, zu tief, als dass wir uns allein trauen würden, den nächsten Schritt zu wagen. An diesem Punkt bietet das Können von Beratern, Ärzten, Heilern eine Unterstützung für deinen Prozess. Sobald du an einem solchen Punkt gekommen bist, bist du auch in der Lage, wirklich anzunehmen, was sie dir liefern.
Jetzt hast du dich bis hierhin „durchgeschlagen“! Herzlichen Glückwunsch. Und sicherlich gefällt dir das Fazit nicht. Doch wir müssen uns dem stellen: Es gibt keinen Umweg, kein „Abracadabra“. Es gibt auch keine Abkürzung. Schenke dir die „Zaubereien“, die nur an der Oberfläche bleiben. Sie geben dir für einen kurzen Moment ein gutes Gefühl, aber sie bewirken keine tiefe Lösung.
Alle Pillencocktails, selbst mit Vanillesoße versüßt, sind kein Rezept.
Deine Vergangenheit hat ihre Spuren auf deiner Landkarte hinterlassen. Du musst nicht darin herumwühlen. Die alten Wege gehören in das Bewusstsein von Hier und Jetzt. Bringe deinen Schmerz, dein Wesen, deine Geschichte in das Leben in der Gemeinschaft mit ein. Du in der Interaktion mit Anderen - was geschieht da? Beobachte, spüre und dein Leid wird sich lösen. Reife an der Reibung, die es hervorbringt. Lebe im Hier und Jetzt. Es ist das Einzige, was existiert.
Herzlichst Oliver Unger
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