von Andrea Tüngler -
Wir leben in stürmischen Zeiten; die Winde des Wandels wehen uns kräftig um die Ohren. Immer deutlicher spüren wir, dass sich die Menschheit an einer entscheidenden Bewusstseinsschwelle befindet, welche uns vor neue Herausforderungen stellt, die es in dieser Dimension noch nicht gegeben hat. Die Spekulationen vieler Menschen über unsere Zukunft reichen von düsteren Weltuntergangsszenarien und Verschwörungstheorien bis hin zur Massenerleuchtung und dem kollektiven Aufstieg der Menschheit.
Seit Anfang des Jahres 2008 durchläuft Pluto das kardinale Tierkreiszeichen Steinbock, wo er sich noch bis 2024 aufhalten wird. Tatsache ist, dass diese astrologische Konstellation einen grundlegenden Wertewandel zur Folge haben wird, der jedes einzelne Individuum, Familien, Nationen und die Menschheit als Ganzes betrifft. Da der letzte Durchlauf Plutos durch den Steinbock 248 Jahre zurückliegt und Pluto erst 1930 entdeckt wurde, fehlt es uns an konkreter Erfahrung im Umgang mit Plutos tiefgreifenden strukturellen Wandlungsprozessen.Sicher ist, dass die Kombination der beiden Planeten Saturn und Pluto einen Zeitgeist symbolisiert, der eine Erneuerung bestehender Strukturen anstrebt und den Bau eines neuen epochalen Fundaments zum Ziel hat. Damit sind wir sowohl auf der persönlichen als auch auf der kollektiven Ebene vor immense Herausforderungen gestellt, die wir gemeinschaftlich zu meistern haben. Auf der anderen Seite werden wir Chancen und neue Möglichkeiten entdecken, die wir uns heute noch nicht vorstellen können.
Mit der Kombination der beiden astrologischen Urprinzipien Steinbock und Skorpion begegnen sich die grenzsetzende Kraft Saturns und die gestaltwandelnde Kraft Plutos, zwei Planetenkräfte, die oft zu Unrecht einseitig negativ dargestellt werden.
Saturn schenkt uns die Kraft, reale und konkrete Formen und Strukturen zu erschaffen. Saturn symbolisiert die Wertmassstäbe und Ideale eines Menschen, einer Familie, oder einer Nation. Mit seiner stabilisierenden Kraft verleiht er uns Halt und Sicherheit. Er steht für die irdischen Ordnungen und Gesetze, auf denen wir unser Leben aufbauen und bettet uns ein in das Raum-Zeit-Gefüge unseres menschlichen Daseins. Saturn wird auch als „Hüter der Schwelle“ bezeichnet, der uns an unsere menschlichen Grenzen erinnert und uns durch Reifeprozesse und Bewusstwerdung unser wahres Wesens offenbart. Je bewusster wir mit unseren Möglichkeiten und Grenzen umgehen, desto weniger Einschränkungen werden wir durch Saturns grenzsetzende Kraft erfahren müssen.
Pluto ist die Kraft der Wandlung. Jenseits des Irdischen symbolisert er den ewigen Kreislauf von Stirb- und Werdeprozessen, von Leben und Tod. Pluto schafft Verbindungen zur Unterwelt, wo er unsichtbar und im Verborgenen wirkt. Er symbolisiert verdrängte kollektive Schattenbereiche, die auch in jedem von uns tief im Unbewussten schlummern und auf Erlösung warten.
Verbinden sich die beiden Planeten Saturn und Pluto werden gewaltige Kräfte frei, die eine enorme Veränderung zulassen. Pluto stellt die Wahrhaftigkeit der Gesetze, die bisher Struktur und Sicherheit gegeben haben, in Frage, was zu einer radikalen Wandlung der gesellschaftlichen Ordnung und der herrschenden Hierarchien führt. Auf der gesellschaftlichen Ebene beobachten wir, dass dieser Wandel bereits in vollem Gang ist .z.B. arabischer Frühling, Energiewende, Staaten- und Schuldenkrise.
Mit der Intensität Plutos und der Strenge Saturns werden wir unausweichlich aufgefordert, zum Wesentlichen und Machbaren zurückzukehren. Es geht um eine Bilanzierung dessen, was bisher erreicht und versäumt wurde, mit der Konsequenz, die aus Unbewusstheit oder Ignoranz gemachten Fehler zu erkennen und nötige Korrekturen vorzunehmen. Die Rückbesinnung auf das Wesentliche ist die vermeintliche Folge des Durchlaufs Plutos durch den Schützen von 1995 bis 2007, wo die Motto „höher, schneller, weiter“ neben den Errungenschaften der Globalisierung zu Ausschweifungen und Maßlosigkeiten geführt hat. Die neu gewonnenen Erkenntnisse dieser Zeit werden einem Realitätstest unterzogen. „Willkommen auf dem Boden der Realität“ könnte die Begrüßung von Pluto im Steinbock lauten. Die Rückkehr zum Notwendigen ist ein Richtungswechsel, bei dem es um reale Fakten, Qualität und Nachhaltigkeit geht. Anstatt in der grenzenlosen Weite der Visionen zu schweben, geht die Richtung seit 3 Jahren in die Tiefe, wo wir zwar an unsere Grenzen erinnert werden, aber auch erkennen, dass weniger oft mehr ist.
Gleichzeitig leitet Pluto im Steinbock einen heilenden Bewusstwerdungsprozess ein, der uns zwingend dazu aufruft, uns unserer individuellen Möglichkeiten bewusst zu werden. Die menschlichen und natürlichen Grenzen müssen wir annehmen, das ist die Botschaft Saturns. In der Regel bleiben wir weit unter unseren Grenzen, aus Angst, diese voll auszuloten und unsere menschlichen Möglichkeiten voll auszuschöpfen. Meistens schränken wir uns mehr ein als erforderlich und halten diesen abgesteckten Lebensraum für unsere unumwindbare Realität. Angst, Widerstand, Ablehnung und Depression resultieren aus anerzogenen, erstarrten und überholten Idealen, Glaubens- und Verhaltensmustern, die uns zwar Halt und Sicherheit geben, aber den natürlichen Lebensfluss blockieren. Auch in unserem persönlichen Erleben stellt Pluto diese selbstgemachten Strukturen vehement in Frage und sorgt dafür, dass Grenzen genau dort fallen, wo sie am sichersten erscheinen. Immer deutlicher erkennen wir, dass die alten Denkmuster nicht mehr zu den gewünschten Erfolgen führen. Pluto ist in der Tat ein gewaltiger Zerstörer, aber halten wir uns vor Augen, dass er nur das vernichten wird, was keine Gültigkeit mehr besitzt und lebensfeindlich geworden ist. Als Geschenk erhalten wir im Verborgenen ruhende und in Vergessenheit geratene Ressourcen und Schätze, die endlich ans Tageslicht befördert werden wollen. Je mehr wir an einem beharrlichen „es geht nicht“ festhalten, desto sicherer können wir sein, dass Pluto uns lehren wird, dass es doch geht – und zwar fast von selbst, wenn wir unsere Ängste und Zweifel überwinden. Jeder einzelne ist aufgefordert, lebensfeindliche Strukturen sterben zu lassen, umzudenken und neue lebensbejahende Lebensbedingungen aufzubauen. Dieses Loslassen kann zwar das Ende von langjährigen privaten und beruflichen Beziehungen bedeuten, aber neue Lebens- und Beziehungsformen, die unserem Wesen wirklich entsprechen, werden entstehen. Unsere Vorstellung von „Gut und Böse“ exisitiert nur in unseren menschlichen Bewertungskategorien. Es ist Zeit, wieder auf unser Herz zu hören und einer neuen zeitgemäßen Moral zu vertrauen:„Gut ist, was dem Leben dient - schlecht ist, was dem Leben zuwiderläuft“ Lassen wir Saturns Angst sterben und vertrauen wir der heilenden Kraft Plutos, könnten wir in den nächsten Jahren ungeahnte kreative und schöpferische Ressourcen und Potetiale entdecken, die wir niemals für möglich gehalten hätten. Ehrlichkeit sich selbst und anderen gegenüber, Mut zur Veränderung, Übernahme von Verantwortung und eine unerschöpfliche Liebe zum Leben sind die Wegbereiter für ein neues Zeitalter der Menschheit.
Gehen wir noch eine Ebene tiefer und rufen uns in Erinnerung, wer wir wirklich sind. Werden wir uns wieder unserer göttlichen Herkunft bewusst und erkennen wir, dass wir mehr sind als eine Anhäufung dichter Materie. In uns allen wohnt ein schöpferischer Geist, der mit allem Leben in Licht und Liebe verbunden ist und ständig neues Leben hervorbringt. Werden wir uns bewusst, dass wir in jedem Augenblick kraft unseres schöpferischen Geistes die Welt neu erschaffen und welches Maß an Verantwortung wir mit unserer Gestaltungskraft tragen.
Die Wandlungsbereitschaft und die Gestaltungskraft jedes Einzelnen schafft das Potential für die künftige Entwicklung der Menschen und der Erde.