Spiritualität - Bewusstsein - die Weihnachtstradition prägt die Menschen.
von Martinus -
Es gibt viel zu lernen, wenn man das Christusprinzip und das Weihnachtsevangelium studiert, und es ist göttlich, dass es so weit gekommen ist, die Menschen eine kurze Zeit des Jahres zu beherrschen. Die Menschen wissen faktisch nicht warum, aber sie sind alle froh, es wird alles geschmückt und herausgeputzt, man lädt Menschen zu sich nach Hause ein und verbringt zusammen eine schöne Zeit, man beschenkt sich und sieht es als eine schöne Zeit an. Diese Tradition besteht nun annähernd 2000 Jahre und die meisten erwachsenen Menschen haben helle und schöne Erinnerungen an die Weihnacht ihrer Kindheit, die sie für ihr ganzes Leben geprägt hat.
Jetzt befinden wir uns zwar in einer Zeit, in der man dabei ist, das Religiöse zu verlieren, da die äußere Form naiv wirkt, man sieht aber deutlich, dass die Weihnachtsstimmung dennoch existiert. Als wir durch deutsche Soldaten, die nicht wirklich an eine Vorsehung glaubten, besetzt waren, sahen wir, dass sie eine ganze Menge zusammenklappbarer Weihnachtsbäume bei sich hatten. Sie hatten das Weihnachtsprinzip, die Tradition nicht verlassen, das Menschliche wohnte in ihnen. Weihnachten wohnt in uns und niemand kann es wegnehmen. Es kann vielleicht durch äußere Ereignisse verschleiert werden, aber es kommt darauf an, sich daran zu machen, aus der Stimmung zu lernen, die hier mitten im Winter herrscht.
Weihnachten rund um's Jahr. Das allergrößte Weihnachtsgeschen
Diese herrliche, leuchtende mentale Sphäre, die in dem äußerlichen, physisch dunklen Klima aufleuchtet, sollte nicht entbehrt werden. Man stelle sich vor, wie schwer es wäre, ohne Weihnachtszeit und Weihnachtsstimmung über die dunklen Tage zu kommen, insbesondere weiter oben im Norden.
Diese Weihnachtszeit beginnt nun zu wachsen – es ergäbe keinen Sinn, wenn sie auf eine bestimmte Zeit des Jahres begrenzt bleiben sollte. Es gibt Menschen, die das ganze Jahr über im Weihnachtsprinzip leben, aber die große Masse, die gewissermaßen suggeriert ist, erlebt es nur zur Weihnachtszeit. Viele Menschen haben jedoch Weihnachten in sich, sie haben dieses Prinzip des Gebens, diese Milde und die Lust, Gutes zu tun.
Das allergrößte Weihnachtsgeschenk, das einem Wesen widerfahren kann, ist dieses menschliche Prinzip, das die Vorsehung im Tier angelegt hat. Alle Menschen tragen dieses göttliche Geschenk in sich, das sie verändern wird und das sie von den Leiden, Sorgen und Beschwerlichkeiten wegführen wird, die sie heute haben.
Das Leid hinterlässt die göttliche Fähigkeit der Humanität. Gefühl und Intelligenz
Das Weihnachtsprinzip kann durch nichts niedergehalten werden. Selbst wenn man dagegen arbeitet, wächst es, denn wenn man verkehrt handelt, entstehen Leiden, Beschwerlichkeiten und unglückliche Zustände, die gerade die Humanität fördern und dem Menschlichen im Menschen Nahrung geben.
Das Tier spürt das Leid in sich selbst und muss es bekämpfen, der Mensch aber soll durch dieses göttliche Prinzip dazu heranwachsen, nicht nur das Leiden in sich selbst zu spüren, sondern auch in anderen spüren zu können, sei es nun Tier oder Mensch. Die durchlebten Leiden machen den Menschen liebevoll und die Fähigkeit, Leiden in anderen Wesen zu spüren, wird zur Triebfeder in der Entwicklung.
Daher sollte man nicht so traurig darüber sein, dass es Perioden gibt, in denen man sich in dunklen Zuständen und Leiden befindet, denn dadurch macht man Erfahrungen, die die göttliche Fähigkeit der Humanität hinterlassen.
Hier in dieser Welt, wo alle um das tägliche Brot kämpfen müssen, wird ganz sicher die Intelligenz entwickelt und darüber hinaus kann sie in Schulen und Hochschulen ausgebildet werden. Anders verhält es sich mit der Humanität – die kann nicht in Schulen gelernt werden, sie kann wohl theoretisch aufgezeigt werden und das kann eine gewisse Unterstützung sein, aber dadurch wird man kein besserer Mensch.
Die Humanität entwickelt sich durch unsere Fehler, die uns Leiden einbringen. Das Leid ist eine Glocke, die läutet, wenn Gefahr droht, und je mehr wir vom Natürlichen wegkommen, desto mehr Schmerz entsteht, so dass wir umkehren. Obwohl man nicht davon befreit werden kann, den Finsterniskontrast kennenzulernen, gibt es keinen Menschen, der jemals verloren geht. Ewige Verdammnis existiert nicht, alle sind auf dem Weg, alle sind in der besten göttlichen Obhut.
Wenn du recht tust, darfst du aufblicken
Wir haben die Freiheit bekommen zu tun, was wir wollen, wir können das Tierische fördern oder das Menschliche. Das war es, was Gott zu Kain mit den Worten sagte: „Wenn du recht tust, darfst du aufblicken; wenn du nicht recht tust, lauert an der Tür die Sünde als Dämon.“ Gutes zu tun, ist genau das, nämlich Geschenke zu machen und liebevoll zu sein, und Geschenke müssen nicht materiell sein. Seine Liebe zu geben, gute Gedanken zu senden und andere Menschen zu Freude und Lebenslust zu animieren, sind auch großartige Geschenke. Tut man das, so wird man von seinen Mitwesen geliebt und ist bei ihnen beliebt. Tut man das Gegenteil, d.h. tut man Böses, dann lauert an der Tür die Sünde, dann werden Krankheiten, Armut, Not und Elend kommen.
Das Christusereignis ist eine Offenbarung des Lebensprinzips
Es ist deutlich zu sehen, dass das Christusereignis in Bethlehem nichts Erfundenes sein kann, wenn es eine solch gewaltige Nachwirkung hervorbringen konnte. Das liegt daran, dass es das Leben selbst zum Ausdruck bringt, es ist eine vollständige Offenbarung des Prinzips, das dem Leben eigen ist, wie man selbst überall nachprüfen kann.
Am Kreuz demonstrierte Christus die Kulmination der Liebe, die das Modell für jenes Christuskind ist, das wir in unserem eigenen Bewusstsein haben. Das Tierische, das u.a. sagt „Das fehlte gerade noch, sich damit abzufinden“, ist der schlimmste Feind; das ist das, was uns zwingt, im Stall zu bleiben: im Schmutz und in den Traditionen der Finsternis. Das einzige, was die Menschen aus dem Stall befreien und sie hinaus in die frische, klare Luft mit blauem Himmel, Sonne, Licht und Wärme bringen kann, ist eben, das „lieber zu geben als zu nehmen“ zu fördern. Dadurch wächst das Christusprinzip und das Tierische degeneriert und verschwindet. Aus dieser Finsternis wird der vollkommene Mensch auferstehen und das ist die Erfüllung des Planes, den Gott mit dem Menschen hat, nämlich: „der Mensch in Gottes Abbild, ihm gleichend“.
Herzlichst Martinus
Aus einem Vortrag vom 19.12.1960.
Tonbandaufzeichnung bearbeitet durch Ole Therkelsen und gutgeheißen durch den Rat.
Übersetzung: Christa Rickus
© Martinus Institut 1981 www.martinus.dk